In bester Gesellschaft

 

Zur Österreich Premiere der restaurierten Fassung des Films „PRATER“ des KdKÖ-Mitbegründers Fritz Kuplent aus dem Jahr 1929 lud der Klub der Kinoamateure – KdKÖ eine handvoll Mitglieder und Freunde  am 10. Dezember 2014 um16:00 Uhr ins Österreichische Filmmuseum ein.

 

 

Dieser Stummfilm „PRATER“, im Original 9 ½ mm aus dem Archiv des Klubs der Kinoamateure Österreichs wurde von Spezialisten des österreichischen Filmmuseums digitalisiert und restauriert und auf 35mm-Kino-Film übertragen.

 

 

Leider stand die 35mm Version doch noch nicht wieder zur Verfügung, da die mit Diplomatenkurier transportierte Sendung noch von New York nach Wien unterwegs war.

So kam ein DCP2 zur Vorführung, das in 2K Qualität zum Einsatz für voll-digitale Kinos im Zuge der Restaurierung ebenfalls angefertigt worden ist. Das entspricht der Auflösung, die IMAX-Filme bieten.

Wozu all der Aufwand? Film ist ein äußert instabiles Material. Der Zahn der Zeit nagt am Trägermaterial und an der Schicht. Das Trägermaterial, Zelluloid oder Acetat, nützt sich ab, die Gelatineschicht und auch die eventuell darin befindliche Farbe beginnt zu verschwinden. Ein großer Teil des einst weltweit vorhandenen Stummfilmbestandes ist dadurch heute bereits für immer vernichtet.

Für den US-Regiemeister Martin Scorsese, der seit 2005 Ehrenpräsident des Österreichischen Filmmuseums ist, stand fest, dass für viele wertvolle Filme die Gefahr akut ist, für immer, im wahrsten Sinne des Wortes, von der Bildfläche zu verschwinden.

Scorsese gründete 1990 "The Film Foundation", die es sich zur Aufgabe macht, Filme zu restaurieren und zu bewahren. Im Vorstand dieser Stiftung sitzen unter anderem Steven Spielberg, Robert Redford, George Lucas und Francis Ford Coppola. Bis heute hat die Film Foundation über 640 Arbeiten gerettet – von Hollywood-Klassikern über Avantgarde-Filme bis hin zu Home Movies.

Das österreichische Filmmuseum, das heuer sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, begeht bei dieser Gelegenheit auch gleich das 25-jährige Bestehen von Scorseses Film Foundation. Aus diesem Anlass zeigt das ÖFM vom Dezember 2014 bis Jänner 2015 eine Auswahl von 48 Filmen. "American Cinema Restored. A Tribute to Martin Scorsese’s Film Foundation" bietet glanzvoll restaurierte Filmkopien aus der Hochblüte des klassischen US-Kinos zwischen 1928 bis 1963.

Zur Eröffnung der Schau reiste Martin Scorsese zwar nicht selbst nach Wien, schickte aber eine Video-Grußbotschaft, in der er sich für die Honorierung seiner Restaurierungsarbeiten bedankt und dem Publikum der Retrospektive Filme verspricht mit denen er aufgewachsen ist und die sein eigenes Filmschaffen zutiefst beeinflussten haben. Zu sehen auf der Webseite des ÖFM http://www.filmmuseum.at/

Der KdKÖ befindet sich mit bereits einigen seiner Archivfilmen also in bester Gesellschaft.

Raoul Schmidt und Paolo Caneppele, Leiter der Sammlungen des ÖFM

Als Überraschung des ÖFM an den KdKÖ gab es zusätzlich die restaurierte Fassung des KdKÖ-Films „Der zerbrochene Spiegel“ von Josef Deimel aus dem Jahr 1935 mit Fritz Kuplent in der Hauptrolle zu sehen. Ebenfalls in 2K Qualität.

 


Die Überraschung des KdKÖ an die Mitarbeiter des ÖFM war die Übergabe des Films „Zeppelin“ von Fritz Kuplent aus dem Jahr 1931 über die Landung des Luftschiffes am Flugfeld Aspern.

 

 

Im Anschluss an das Special Screening luden das ÖFM und der KdKÖ zu einem kleinen Umtrunk in die Filmmuseum Bar ein.

 

Details zum Film „PRATER“ aus dem Archiv des KdKÖ und zur erfolgreichen Restaurierung durch das ÖFM

 

Ausgangsmaterial:

9 ½ mm teilviragierter1 SW Film aus dem Jahre 1929

14 Minuten

Archiv des Klubs der Kinoamateure Österreich

 

Der Film wurde digital restauriert, es wurde ein neues 35mm Sicherungsnegativ, eine 35mm Vorführkopie sowie ein Digital Preservation Master und ein DCP2 erstellt.

-Restaurierungsaufsicht: Raoul Schmidt

-Scanning: Raoul Schmidt

-Digitale Restaurierung: Matteo Lepore, Adriana Noviello, Claudio Santancini

-Farbkorrektur: Claudio Santancini

-Filmrecording + DCP: Matteo Lepore, Claudio Santancini

1              Virage, Viragierung, Tonung bezeichnet eine Technik des Einfärbens von Fotos (bzw. Filmmaterial). Entstanden ist sie durch die Schwarz-Weiß-Fotografie, bei der das schwarz erscheinende Silber auf chemischen Wege in gefärbte Verbindungen überführt wurde. In der heutigen Verwendung des Begriffes ist das generelle Einfärben von Fotos gemeint – in den meisten Fällen auf digitalem Wege. Quelle: Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Tonung

2              Digital Cinema Package (abgekürzt DCP) ist eine digitale Filmkopie, bei der die Bild- und Tondaten in einem speziellen Datenformat vorliegen. Ein Digital Cinema Package besteht aus den Mediendaten (Bild und Ton werden als .mxf Dateien gespeichert), einer Packaging List und einer oder mehrerer Composition Playlists. In diesen ist definiert in welcher Reihenfolge welche Bilddateien abgespielt werden sollen und welche Ton- oder Untertitel Daten jeweils dazu gehören. Somit ist es möglich mehrere Sprachversionen dem selben Bild zuzuordnen oder verschiedene Untertitel bereitzustellen, ohne dass dazu jeweils das Bild des Filmes nochmals gespeichert werden muss, was erhebliche Einsparungen an Speicherplatz ermöglicht. Je nach Datenrate benötigt ein DCP ungefähr 1,5 - 2 Gb Speicherplatz pro min. Laufzeit. Quelle: Digital Cinema Mastering, Julius Schall, Alter Schlachthof 39, 76131 Karlsruhe


Die 35mm Version von Fritz Kuplens Film PRATER aus dem Jahr 1929 wurde bisher bei folgenden Gelegenheiten öffentlich gezeigt:

14.08.2014

Internationale Stummfilmtage Bonn, Deutschland

http://www.foerderverein-filmkultur.de/assets/PH_2014_gesamt.pdf   (s.h. Seite 20)

13.11.2014

28. Braunschweiger Internationales Filmfestival

http://www.filmfest-braunschweig.de/fileadmin/content/28ff2014/Downloads/RealSurreal_web.pdf

(Programm 4 - Alltag)

15.11.2014

Anthology Film Archive, New York (im Programm: Austrian Independent Cinema: A Fugue)

http://anthologyfilmarchives.org/film_screenings/calendar?view=list&month=11&year=2014#showing-43512

 

Fotos: Archiv KdKÖ (3), Elisabeth Gaidos (2)

 

 

 

 

Wien bewegt!

 

Ihre Filme sind uns wichtig: Das Österreichische Filmmuseum ruft die Wiener Bevölkerung auf, uns ihre Filme zu überlassen. Alle Formate – wie Super 8, Normal 8, 9,5mm, 16mm und 35mm – sind willkommen.

Der alltägliche Umgang mit digitalen Medien ist bereits zur Normalität geworden und langsam geht das Wissen um die Verwendung analoger Datenträger verloren. Dadurch entsteht auch die Gefahr, dass private Filmaufnahmen durch Desinteresse oder Unwissenheit verloren gehen oder gar vernichtet werden.


In der heutigen Welt landet alles, was nicht mehr funktioniert oder gebraucht wird, früher oder später auf der Mülldeponie. Film und besonders private Filmaufnahmen sind aber wichtige Dokumente des Lebens unserer Stadt. Es wäre für uns alle ein sehr großer Verlust, wenn diese Erinnerungen unwiederbringlich verschwunden wären.

Gemeinsam mit Partnern bemüht sich das Österreichische Filmmuseum dies zu verhindern und ruft deshalb auf, private Film- und Videoaufnahmen, die nicht mehr gebraucht werden, in die Wiener Bezirksmuseen, in das Österreichische Filmmuseum oder in die Österreichische Mediathek zu bringen.